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Was bleibt vom synodalen Weg?

Christoph Uttenreuther
Datum:
Veröffentlicht: 26.2.26
Von:
Pfarrer Christoph Uttenreuther

Ein Resümee von Pfr. Christoph Uttenreuther

Als Delegierter des Bamberger Priesterrates war ich von 2020 bis zum Abschluss am 31.1.2026 aktiv dabei und möchte hier meine persönliche Einschätzung mitteilen. Was war mir das Wichtigste? 

Offenheit und Transparenz:

Bischöfe und Laien sprachen auf Augenhöhe, gleichberechtigt, ohne jedes Tabu miteinander. Ein Mitglied des Rates der vom sexuellen Missbrauch Betroffenen kam umfangreich zu Wort. Bischöfe standen Rede und Antwort und überzeugten mich, dass wir in der Aufarbeitung und Prävention des Missbrauchs sehr weit gekommen sind.  
Die neugeschaffene Synodalkonferenz soll Offenheit und Transparenz für die Zukunft sichern. Ich glaube, dass auf diese Weise Macht wirksam kontrolliert wird, auch wenn Bischöfe nicht demokratisch überstimmt werden können. 

Frauenpositionen wurden gestärkt:

Die Versammlung verabschiedete ein sehr umfangreiches theologisches Papier mit Argumenten für die Weihe von Frauen zu Diakonat und Priesteramt. Dies bringen die deutschen Katholiken in die weltkirchliche Diskussion ein und wird in vielen Ländern beachtet. Alle bereits bestehenden Möglichkeiten, Frauen mehr an der Leitung und Repräsentanz der Kirche zu beteiligen, sollen genutzt werden. Dies zeigen etwa Besetzungen von Ämtern der Bistumsverwaltung. In einigen Diözesen wurden nun auch Frauen offiziell für Taufen, Trauungen und Predigt beauftragt.  

Alle sind willkommen:

Durch ihre Sexualmoral hat die Kirche viele Menschen verletzt und ausgegrenzt. Wir gingen auf sie zu und entschuldigten uns. Auch wenn das Grundsatzpapier zur Sexualität an der nötigen 2/3-Mehrheit der Bischöfe scheiterte: die meisten seiner Aussagen wurden in anderen Texten beschlossen. Das ist für kirchliche Beratungsstellen und den Religionsunterricht relevant. Geschlechtliche Vielfalt wird anerkannt, Homosexualität wird grundsätzlich moralisch nicht anders beurteilt als Heterosexualität, d.h. nach den Werten von Liebe, Treue und „Fruchtbarkeit“ im gemeinsamen Dasein für andere. Für gleichgeschlechtliche Paare gibt es Segensfeiern.

Änderung im Arbeitsrecht:

Seit Ende 2022 gilt für kirchliche Beschäftigte eine neue Grundordnung. Lebensformen wie Wiederverheiratung oder queere Partnerschaften sind demnach kein Kündigungsgrund mehr. Das entspricht unseren Forderungen.  

Plädoyers an die Weltkirche:

Neben der Forderung, die Möglichkeit der Weihe von Frauen neu zu prüfen und den Weltkatechismus in der Sexualmoral zu ändern, appellierte die Versammlung an Rom, den Zölibat freizustellen und die Gläubigen an der Bestellung der Bischöfe zu beteiligen.  

Resümee  

Verhärtete Fronten in der Kirche gehören leider zum traurigen Ergebnis des Synodalen Weges. Vier Bischöfe und einige Laien des 
konservativen Flügels verließen die Versammlung. 
Kritik an uns hagelte es von allen Seiten. Von rechts: „Ihr schafft eine deutsche Genderkirche, abgespalten von Rom, seid nicht mehr rechtgläubig und huldigt dem Zeitgeist!“ Von links: „Ihr diskutiert nur unverbindlich, bleibt zu zahm, knickt ein vor Rom und weckt Hoffnungen, die ihr nicht erfüllen könnt!“  
Beide Seiten zeigen die schwierige Aufgabe, vor der wir standen: wirksame Reformschritte zu gehen und die Einheit mit der Weltkirche zu wahren. Könnte die Widersprüchlichkeit der Kritik ein Beleg sein, dass dies nicht misslungen ist?  
Der Synodale Weg war besser als sein Ruf. Ja, die Katholische Kirche ist besser als ihr Ruf. Davon bin ich überzeugt.